27.06.20 Jugendkammer tagte online

Jugendkammer der Landeskirche Braunschweig tagte online. Schwerpunkte waren die Satzungsänderung sowie ein Gespräch mit dem Landesbischof Dr. Christoph Meyns.

Braunschweig/Wolfenbüttel. „Ich würde Ihnen raten, jeden Satz der Bibel stur wörtlich zu nehmen und nie im aktuellen Kontext zu interpretieren. Folgen Sie einem alten Familienbild, dass zwar fleißig propagiert wird, es aber nie gegeben hat“– so Landesbischof Dr. Christoph Meyns auf der Jugendkammersitzung der Landeskirche Braunschweig am Samstag, den 27.06.2020. Diese Antwort gab der Theologe den über 30 per Video anwesenden Delegierten auf die Frage, was die Kirche tun könne, damit bloß kein Raum für die Entfaltung gleichgeschlechtlicher Familienentwürfe gegeben werde. Dabei folgte er der Einladung der Jugendkammer, sich auf die „Kopfstandmethode“ einzulassen, also Fragen aus dem worst-case-Szenario heraus zu beantworten und den Kopf so auf neue Pfade zu führen.

Einmal im Jahr ist der leitende Geistliche der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig zu Gast in der Jugendkammer, dem höchsten Mitbestimmungsgremium auf Jugendebene. Er stellt sich den Fragen der jugendlichen Delegierten und gibt Einblicke in die landeskirchliche Arbeit. Ein besonderer Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf der Frage nach der „Ehe für alle“. Während die Jugendlichen sich eine schnelle und tolerante Lösung wünschen, zeigte sich der Landesbischof eher zurückhaltend. Er plädierte dafür, Lebensformen im Zusammenhang zu diskutieren und alle Familienformen (z.B. auch Alleinerziehende) zu berücksichtigen. „Mein Idealbild ist immer noch die lebenslange Treue zwischen zwei Menschen, die sich lieben“ erklärte Meyns, „aber ich möchte Sie auffordern zu schauen, ob das auch für Sie realistisch ist“.

Neben dem Thema der gleichgeschlechtlichen Ehe war auch die Frage nach Budgetkürzungen von Belang. Nachdem sich die Landessynode 2018 das Thema Kinder- und Jugendarbeit als Schwerpunkt auf die Fahnen geschrieben hatte, wollte die Jugendkammer wissen, wie es denn jetzt nach den Einbußen rund um Corona aussieht mit dem Geld der Landeskirche. Der Bischof sagte, er könne sich gut vorstellen, dass die Synode an ihrem Schwerpunkt festhalte und nach wie vor die Wichtigkeit von Jugendarbeit erkenne. Dennoch müsse man natürlich abwarten, wie sich die Lage nach den zu erwartenden Einbußen bei der Kirchensteuer entwickle.

Die Tagesordnung sah ebenfalls eine Satzungsänderung vor, die das Wahlverfahren zu Beginn einer neuen Legislatur erleichtern soll. Unter Leitung der ersten Vorsitzenden Mira Waxenberger (Propstei Vorsfelde) wurde diese beschlossen.

Der deutlich ausgedrückte Wunsch nach Veränderung des Ev. Landesjugendtreffens (ELT) wurde vom Arbeitsbereich für Kinder- und Jugendarbeit (ajab) aufgenommen und ein Zukunftsprozess initiiert. Niklas Reichel (Propstei Braunschweig) berichtete über das angedachte dreistufige Verfahren (online-Befragung, Präsentation der Visionen, Erarbeitung eines Prozesses). Dieser Zukunftsprozess wird begleitet von einer Berliner Agentur.

Da die Corona-Pandemie die Delegierten zwang, sich aus den eigenen vier Wänden per Videokonferenz zuzuschalten, fand diese Sitzung in verkürzter Form statt. Nach knapp drei Stunden war die Tagesordnung abgearbeitet und Mira Waxenberger dankte allen Zugeschalteten für ihre Geduld. Ob und wie die nächste Sitzung im November stattfinden wird, ist noch offen.